

Dem herrschenden Zeitgeist in den Rachen geschaut. Die acht Spielleute blicken rockend mittelalterlich und kritisch fragend auf unsere Welt und unsere Gesellschaft. Neugierig und unbefangen toben sich Saltatio Mortis kunstvoll mit ihren mittelalterlichen Instrumenten und einem ordentlichen Pfund Rock so modern wie noch nie durch unsere Welt und halten dem Zeitgeist den sprichwörtlichen Spiegel vor. Wer sich darin erkennt oder auf den Schwanz getreten fühlt, dem gehört es nicht anders. Spielmannsrock der Extrakle. Vorhang auf und Manege frei für den „ Zirkus Zeitgeist “. CD Standard Album el Case 14 Tracks Review: Got it for one song. - Bought it for the first song on the album, loved it for the rest! These guys enjoy their work and it shows. Review: Five Stars - Awesome new album. I thought their last album was great. Then this one came out. Wow. Amazeballs.
| ASIN | B00Y3VDUYA |
| Best Sellers Rank | #550,463 in CDs & Vinyl ( See Top 100 in CDs & Vinyl ) #216,477 in Rock (CDs & Vinyl) |
| Customer Reviews | 4.7 4.7 out of 5 stars (545) |
| Date First Available | June 16, 2015 |
| Item model number | 0602547410184 |
| Label | Vertigo |
| Manufacturer | Vertigo |
| Number of discs | 1 |
| Original Release Date | 2015 |
| Product Dimensions | 4.88 x 5.35 x 0.39 inches; 3.74 ounces |
M**T
Got it for one song.
Bought it for the first song on the album, loved it for the rest! These guys enjoy their work and it shows.
H**Y
Five Stars
Awesome new album. I thought their last album was great. Then this one came out. Wow. Amazeballs.
K**S
Five Stars
Absolutely love this band! The perfect blend of medieval metal!
N**M
Four Stars
Fun
D**E
bon cd
M**I
Cosegna Amazon impeccabile. Da grande fun dei Saltatio Mortis mi sento di dire che questo album è davvero mediocre rispetto all'ultimo capolavoro che avevano preparato. Peccato sono rimasto deluso.
C**L
Wanted this album for a while, couldn't find it locally. Amazon to the rescue. Speedy delivery, couldn't be bettered.
W**L
Saltatio Mortis ist eine Band, deren Lebensweg ich fast von Anfang an (2004) mitverfolgen konnte. In dieser Zeit hat sich die Band sowohl personell wie auch musikalisch gewandelt. Nach einem eher netten und bescheidenen Anfang, indem die Band sich nicht so recht entscheiden konnte, ob sie nun rein akkustisch, rockig oder elektronisch sein wollte, einigte man sich spätestens ab "Des Königs Henker" auf eine Melange zwischen überwiegend deutschsprachigem (Hard) Rock und mittelalterlicher Marktmusik. Seit dieser Zeit haut die Band in meinen Ohren ein Fünf-Sterne-Album nach dem anderen heraus. "Zirkus Zeitgeist" ist nun im 15. Bandjahr ihr mittlerweile 10. Studioalbum und hat es wie der Vorgänger auf die Spitzenposition der deutschen Albumcharts geschafft. Und kaum einer Truppe gönne ich es so sehr wie dem sympathischen Haufen aus Karlsruhe. Wie man an meiner Bewertung sieht bin ich auch von dem neusten Rundling begeistert, muss jedoch auch eines sagen: Mittelalter-Rock, so wie ihn die meisten verstehen, ist das für mich eigentlich nicht mehr. Die Rock-Instrumente dominieren die Songs auf "Zirkus Zeitgeist". Die Dudelsäcke übernehmen die musikalische Funktion, die bei anderen Rock-Bands ein Keyboard übernehmen würde. Sprich: Entweder eine zweite Melodiestimme neben der Gitarre oder eine Verstärkung der Gitarrenriffs. Andere mittelalterliche Instrumente wie Schalmeien, Fidel oder Drehleier kommen auf diesem Album nur sehr dezent zum Einsatz. Diese Entwicklung bringt der Band gerade bei älteren Anhängern nicht nur Freunde ein. Doch es ist nicht nur die reine Musik. Auch die Texte haben sich verändert. Präsentierten Saltatio Mortis zuvor ihre Songs in mittelalterlich gefärbter Lyrik (ein gutes Beispiel zum Thema Gier ist etwa "Habgier und Tod") oder adaptierten auch mal eine Sage/Märchen (Sieben Raben, Prometheus, Das kalte Herz), so sind die neuen Texte eher gegenswartsbezogen und direkt. Saltatio Mortis interpretieren ihre Rolle als Spielmänner dahingehend, auf Missstände hinzuweisen und sie textlich anzuprangern. "Mittelalterlich" klingt für mich auf diesem Album nur noch der "Rattenfänger" und (teilweise) "Todesengel", bei dem auch verstärkt traditionelle Instrumente verwendet werden. In allen anderen Stücken bleibt es betont rockig und bis auf die dominanten Dudelsäcke recht wenig mittelalterlich. ---------- Zu den Songs im Einzelnen ---------- "Wo sind die Clowns" ist ein griffiger Rocker zum Einstieg und fordert den Spaß in einer Welt, die nur noch von Hiobsbotschaften geprägt ist. Fette Gitarrenriffs, begleitet von dominanten "Säcken". Top. 5 Sterne Gut, "Willkommen in der Weihnachtszeit" wird jetzt nicht erade den Innovationspreis in Sachen Thema (Kommerzialisierung der Weihnachtszeit) erhalten, ist aber ein nett-bissiger Spaßsong. 3 Sterne kann ich hierfür geben. "Nachts weinen die Soldaten" erschien mir beim ersten Hören wie ein musikalisch und textlicher Zwilling von "Krieg kennt keine Sieger" vom Vorgänger, zeigt jedoch seine eigenen Qualitäten und ist wohl einer von Lasterbalks besten Texten. Denn auf dieses Thema kann man nicht genug hinweisen. Waren die ersten drei Stücke recht direkt in ihrer Wortwahl, so wird bei "Maria" wieder mehr das Song-Thema (Abtreibung) in einer Geschichte umgesetzt. Musikalisch ein eher getragenes Stück im mittleren Tempo. 4 Sterne. "Des Bankers neue Kleider" behandelt das Thema der Bankenkrisen und nimmt dafür das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" als Vorlage. Musikalisch ein treibender Rocksong mit erstklassigem Refrain. Top. 5 Sterne "Wir sind Papst" ist wohl eines dieser Lieder, die man entweder liebt oder hasst. Bei mir trifft ersteres zu. Eingepackt in einer schwungvollen, fröhlichen Melodie, betrachten Saltatio Mortis sarkastisch die Deutschen. 5 Sterne "Augen zu" ist erneut ein mahnendes Lied, eher im mittleren Tempo gehalten und kritisiert die Ignoranz mit der viele Menschen durch ihr Leben laufen. 5 Sterne. "Geradeaus" verdient ein paar mehr Worte, denn für einige Alt-Anhänger, welche die veränderte Ausrichtung der Band nicht gefiel, war es wohl ein Schlag ins Gesicht. Mit vielen Songzitaten zeichnen Saltatio Mortis zunächst ihren Weg nach und stellen sich dann bissig den geäußerten Vorwürfen, sie wären zu kommerziell geworden. Kernaussage letztendlich: "Ob wir jedem Depp gefallen, interessiert uns einfach nicht". Darüber kann man denken was man will. Für die einen ist es eine Beleidung, für mich eigentlich eher die geradlinige Einstellung, welche die Band von jeher verkörpert. Ich vergebe 4 Sterne. "Erinnerung" ist dann die erste, wirkliche Ballade auf dem Album. Sehr ruhig gehalten und sehr schön von Alea interpretiert, dessen Stimme von Album zu Album immer besser zu werden scheint. 5 Sterne. Wer bei "Trinklied" einen eher fröhlichen Partysong erwartet, täuscht sich. Ein rockiges Stück gegen den übermäßigen Genuss von Alkohol und seine Folge. Ein eher schwaches Lied. 2-3 Sterne. Bei "Rattenfänger" kommen Mittelalter-Fans auf ihre Kosten. Eröffnet durch ein einprägsame Flöten-Melodie gibt es hier einen schnellen Rocker vor den Latz geknallt. Und Lasterbalk hat mal wieder das Stück live dem Herrn von Hasen-Mümmelstein gewidmet ;). 5 Sterne. Auch "Todesengel" begeistert nach einem eher rockigen Album durch den verstärkten Einsatz der mittelalterlichen Instrumente. Textlich, wenn auch eher indirekt, wird auf den berüchtigten KZ Arzt Mengele eingegangen. Ein musikalisch sehr starkes Stück. 5 Sterne. "Vermessung des Glücks" ist eine Motivationsnummer, die dazu aufruft, seine Träume zu leben, anstatt sie ewig vor sich hin zu schieben, nur um dann irgendwann zu bemerken, dass man nie gelebt hat. 5 Sterne. "Abschiedsmelodie" lässt dann das Album mit einer sanften Elegie melodisch ausklingen. 4 Sterne. -------- Zu den einzelnen Versionen des Albums: Ob man die Mega-Packung braucht, sei jedem selbst überlassen. Meine Empfehlung ist gegenüber dem regulären Album aber die nur geringfügig teuere Limited Deluxe Edition, welche die drei Bonus-Songs "Gossenpoet", "Mauern aus Angst" und "Gaudete" enthält, sowie eine zweite CD, auf welchem 15 Bands (u.a. Unheilig, Subway to Sally, Versengold, Schandmaul, Doro etc.) 15 Songs zum 15jährigem Jubiläum covern. Sowohl die Bonussongs als auch die Cover-CD lohnen den geringen Aufpreis. -------- Fazit -------- Man kann der Band zwar vorwerfen, sich musikalisch gewandelt zu haben und den mittelalterlichen Aspekt zu sehr zurückgeschraubt zu haben. Man kann aber auch anerkennen, das wir hier ein musikalisch wie textlich extrem starkes Album haben, dass es wert ist, gehört zu werden. Mir persönlich würde es gefallen, wenn auf dem nächsten Album wieder etwas mehr die mittelalterlichen Instrumente mit eingewoben werden, kann jedoch angesichts der Hitdichte auf dieser Scheibe nicht weniger als 5 Sterne vergeben.
M**I
Am Anfang war ich doch sehr skeptisch, als ich den Namen für das neue Album "Zirkus Zeitgeist" erfahren habe, bin ich doch kein großer Zirkusfan. Ich weiß noch, wie ich dachte: "Na das kann ja was werden?" Dann habe ich mich auf den zweiten Teil des Albumnamens konzentriert, den Zeitgeist, der ja schon ein ziemlicher Zirkus ist und gehofft, dass Saltatio Mortis den Weg weiter beschreiten, den sie mit dem Schwarzen IXI begonnen haben und einen kritischen Blick auf das Hier und Jetzt werfen werden. Dabei wurde ich nicht enttäuscht! In diesem Album wird sehr offen Kritik geübt, es gibt aber auch einige sehr schöne Balladen und die Coverversionen von der Deluxe Edition sind ein ganz besonderes Schmankerl, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Alles in allem ein sehr gelungenes Album, das ich nur weiterempfehlen kann. Mein erster Gedanke, als ich die Fanbox in den Händen hielt war, wie riesig sie doch ist, etwa so groß wie vier CDs. Darin enthalten sind eine Flagge vom Zirkus Zeitgeist, eine DVD, die Deluxe Edition vom Zirkus Zeitgeist und 9 wunderschöne Kunstdrucke der Spielmänner von Saltatio Mortis im Clownskostüm. Die gesamte Box inklusive des Booklets ist sehr schön und ansprechend gestaltet. Besonders das Cover des Albums hat es mir angetan, weil es so vielschichtig ist und es sich sehr lohnt, es einmal genauer zu betrachten. Da ist der Clown im Vordergrund, der alles andere als glücklich aussieht und aus dessen Kopf ein geknickt wirkender Bänker kommt und auf den Überschriften von Zeitungen, die den Kragen des Clowns bilden und deren Überschriften sich alle irgendwie auf das Album beziehen, entlang geht. Auf dem Kopf trägt der Clown einen Hut, der wie ein Mülleimer aussieht und auf dem oben Kirchen der großen Weltreligionen abgebildet sind. Im Hintergrund sieht man eine brennende Skyline, fallende Bomben, aufgescheuchte schwarze Vögel und eine Artistin, die aussieht, als würde sie von dem Seil, an dem sie hängt, aufgespießt. Sehr interessant, reichlich düster und der perfekte Vorgeschmack auf das Album. Es beginnt zunächst sehr heiter mit dem Song "Wo sind die Clowns?", der mit einer zirkustypischen Melodie beginnt, die jedoch sehr schnell in den gewohnten Sound von Saltatio Mortis übergeht und in deren Text gefragt wird, wo die Clowns, der Leichtsinn und das Lachen geblieben sind in einer Welt, in der Freundschaft nur noch virtuell gelebt wird, in der es nur noch um Fortschritt und Geld geht und in der in den Medien über immer neue Katastrophen berichtet wird. Die Melodie des Songs ist passend zum Thema schnell und treibend und geht leicht ins Ohr. Auch live überzeugt dieses Stück die Fans immer wieder und regt sie zum Mittanzen und mit Sicherheit auch zum Nachdenken an. Im Vergleich zu vielen der anderen Stücke der Platte ist "Willkommen in der Weihnachtszeit" noch eines der fröhlicheren und leichteren Lieder. Von der Melodie her ist es wie ein klassisches Weihnachtslied gehalten. Vom Text her geht es darum, dass man bereits mitten im Sommer die ersten Lebkuchen und Nikoläuse in den Regalen der Supermärkte findet. Daher läuten Saltatio Mortis konsequenterweise bei 30° Gras Außentemperatur die Weihnachtszeit an und stellen sich die Frage, ob das Fest der Liebe nicht längst schon zum Fest des Konsums geworden ist, denn schließlich wissen doch alle, dass das wirklich wichtige an Weihnachten die Geschenke sind. Diesen Song schloss ich vom ersten Hören auf den Eisheiligen Nächten im Dezember 2014 an sofort ins Herz und freue mich seither, wann immer ich ihn höre. Er ist so verdammt wahr und hat echten Ohrwurmcharakter. Das nächste Lied ist "Nachts weinen die Soldaten", ein Lied, das mich als ich zum ersten Mal das zauberhafte Lyricvideo dazu gesehen habe, fast zu Tränen gerührt hat. Eine wunderschöne, sehr traurige Ballade! Der Fokus liegt auf einem einzelnen im ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten vor dessen namenlosem Grab das lyrische Ich steht und sich fragt, was für ein Mensch dort wohl im Grab liegt, wie er gelebt hat und wie er gestorben ist und was seine Motive gewesen sein könnten, in den Krieg zu ziehen. Das Lied mahnt vor Kriegen aller Art, denn was zurück bleibt sind anonyme Gräber von Menschen, die mit viel Hoffnung in den Krieg zogen und überlebende Soldaten, die traumatisiert heimkehren. Es gibt keinen Sieg für den Einzelnen, der kämpft, sondern nur Leid. Ein Lied, das mir sehr nahe gegangen ist und auch wenn die Thematik keine neue ist, so finde ich sie hier dennoch sehr gut umgesetzt. Weiter geht es ein wenig fröhlicher, zumindest von der Melodie her, wenn auch nicht minder kritisch mit "Des Bänkers neue Kleider". Ein Song, den ich mir sehr gut auf großen Festivals vorstellen kann. In einem sehr eingängigen Rhythmus wird angelehnt an das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern ein Bänker beschrieben, dessen Kleider aus Geld und Zinsen bestehen, doch wenn man genau hinsieht, verwandelt sich der Schal aus Geld zu einer Schlinge um seinen Hals und weder Geld noch Zinsen vermögen ihn zu wärmen, sind sie doch nur Trug und Illusion, so sitzt er in Frankfurt, jongliert mit Werten, die in Wahrheit so gar nicht existieren und verliert das aus den Augen, was wirklich wichtig ist und wärmt: Liebe, Freundschaft und Echtheit. Dieser Song rechnet ab mit den Managern, die in den Banken sitzen, nur noch von Zahlen, Zinsen und Geld umgeben sind und dabei den Blick für das wirkliche Leben komplett verloren haben und die Gesellschaft durch ihre Machenschaften in den Ruin treiben. Ein Song, bei dem man ganz genau hinhören muss und den in aller Ruhe anzuhören ich nur empfehlen kann. Es folgt das Lied "Maria". Von der Melodie her baut es auf dem Kirchenlied "Maria durch ein Dornwald ging" auf. Und auch wenn der Text zunächst gleich beginnt, so wandelt er sich doch sehr schnell und besingt eine junge Frau, die ein Kind zur Welt brachte, das sie nicht wollte, das sie jedoch auch wegen den Geboten der Christenheit nicht abtreiben konnte. Der Text lässt vermuten, dass sie dieses ungewollte Kindlein schließlich in ihrer Verzweiflung ermordete, woraufhin sie selbst zum Tode verurteilt wurde. Einer der traurigsten Songs des Albums, der für mich die Frage aufwirft, inwiefern die Politik der katholischen Kirche zum Thema Verhütung noch zeitgemäß ist. Gleichermaßen frage ich mich auch: Wann darf man abtreiben? Wenn die Frau vergewaltigt wurde? Wenn das Kind nicht ins Lebenskonzept der Eltern passt? Was ist wichtiger, das Leben des ungeborenen Kindes oder das der schwangeren Frau? Fragen, die man wohl niemals allumfassend, sondern stets nur durch die genaue Betrachtung des Einzelfalls klären kann und vor denen bereits Gretchen in Goethes "Faust" stand und vor denen heute noch tausende werdende Mütter stehen. Mit dem nächsten Stück "Wir sind Papst" will ich partout nicht warm werden. Ich mag weder seine Melodie, da sie mir zu wenig Saltatio Mortis und zu poplastig ist, noch will sich mir der Text so recht erschließen. Vielleicht, weil ich manches ein wenig anders sehe, als besungen. Meiner Ansicht nach spielt der Text einerseits mit den Klischees der Deutschen, dass sie alles können, außer ausgelassen zu sein und dass passend zur Papstwahl und zur Fussballweltmeisterschaft die Fahnen und der Nationalstolz herausgeholt werden. Wohinter ich voll und ganz stehe, ist die Aussage "Nazis raus", denn ich bin gegen jede Art von Rassismus. Wir sind alle vor allem eins und zwar Menschen! Mit dem Thema Nationalität und Fussballweltmeisterschaft habe ich mich sehr detailliert auseinander gesetzt. 2006 schrieb ich mit einigen anderen Schülern zusammen an der Zeitung "Nie wieder?!" als ein Magazin von Schülern für Schüler zum Thema 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers in Dachau. Damals war WM in Deutschland. Überall wehten Fahnen. Die Menschen schminkten sich in den Farben Deutschlands und wir saßen da und haben uns gefragt: "Darf man das eigentlich? Wie viel Nationalität ist erlaubt?" Darüber haben wir gemeinsam mit einer Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte und einem Journalisten der Süddeutschen Zeitung sehr lange diskutiert und dabei sind wir zu dem Ergebnis gekommen: "Ja, wir dürfen stolz darauf sein, wenn unsere Mannschaft gewinnt! Ja, wir dürfen Fahnen zeigen und uns in Rot-Schwarz-Gold kleiden! Ja, wir dürfen auch mal ausgelassen sein und unsere Nationalität feiern!" Wir können uns nicht immer dafür schämen, Deutsche zu sein. Keiner von uns junge Leuten hat den Krieg damals angezettelt oder gar gewollt oder denkt rassistisch. Mit welchem Recht sollten Amerikaner überall ihre Fahnen hissen dürfen und wir nicht? Mit keinem vernünftigen Grund. Auch wir dürfen Fahnen hissen und stolz sein und uns freisprechen von der kollektiven Schuld der Deutschen, denn wir sind anders und jung und frei, auch von Schuld. Und das sollten wir auch bleiben! Natürlich ist es wichtig, sich mit der eigenen Geschichte und mit Geschichte überhaupt zu befassen, sich zu fragen, wie es zu den Weltkriegen überhaupt kommen konnte und vor allem daraus zu lernen. Wir sollten niemals die Augen verschließen vor dem, was früher war, sondern wachsam und kritisch durch die Welt gehen. Womit ich auch schon beim nächsten Song "Augen zu" angekommen bin, der genau dieses Thema behandelt. Man schaut weg, man ignoriert die negativen Entwicklungen unserer Zeit, sie werden sich schon von selbst lösen, wenn man nur nicht hinschaut, wenn man sich nur abwendet. Saltatio Mortis fordern in "Augen zu" dazu auf, die Augen zu öffnen und bewusst hinzuschauen, auf das verseuchte Meer um Fukushima, eine Katastrophe, die nur in Vergessenheit geraten, aber längst nicht unter Kontrolle ist, hinzuschauen auf den Menschen, denen es hier vor unseren Augen schlecht geht, die in Armut leben, hinzuschauen auf die Neonazis, die sich formieren und die immer gleichen, veralteten Parolen schwingen und damit tragischer Weise immer wieder aufs Neue Menschen für ihre falschen Ideen und Ideal begeistern, hinzuschauen auf die jungen Frauen, die ungewollt schwanger werden und ihre Kinder weggeben (ein Hinweis auf Maria?), aber auch generell hinzuschauen auf das, was der Staat gerade tut. Sie fordern dazu auf, mit wachen Blick und offenen Augen durchs Leben zu gehen, für die schönen Seiten genauso wie auch für die schlechten, nicht tatenlos zuzusehen, sondern die Stimme zu erheben gegen die Missstände in unserem Land. Ein Lied, das ich sehr genial finde, in der Musik, wie im Text und auch im Thema. Ich könnte es voll unterschreiben, für mich eines der besten Stücke des Albums und eines der besten Lieder überhaupt, die ich kenne, vom Inhalt her. Ging es noch in "Augen zu" um das große Ganze, so geht es in "Geradeaus" um Saltatio Mortis im speziellen. Das Lied kommt daher in einer für Saltatio typischen Melodie. Textlich wird abgerechnet mit all den Nörglern, die sagen, dass früher alles besser war und Saltatio Mortis nur noch auf den Kommerz aus seien. Sie stellen in diesem Song klar, dass sie immer sie selbst waren, sind und auch bleiben werden und die Musik machen, die ihnen gefällt und auch nur diese Musik, dass sie unbequem sind und natürlich nicht mehr die gleichen wie früher, denn innerhalb von 15 Jahren ändern sich Menschen und damit auch die Art, wie sie Musik machen und die Themen über die sie Musik machen. Ein Song, bei dem ich mir sicher bin, dass Saltatio Mortis dafür von genau diesen ach so großen Kommerzgegnern sehr viel Kritik einstecken werden. Denn diese Menschen werden die Augen nicht öffnen und sich weiter entwickeln und verändern, lieber gehen sie auf altbekannten Pfaden weiter, während ihre Band sich selbst neue Wege erschließt, gemeinsam mit den Fans, die mit ihnen ziehen, wild und frei. Wild und frei, nur eine Anspielung auf Songs der Spielmänner, die man in diesem Lied findet. Zu versuchen, alle im Text versteckten Lieder zu finden, wird besonders hart gesottenen Fans großen Spaß machen. Für mich, die ich auch ein großer Fan von Faun bin, trifft dieser Song genau ins Schwarze. Denn wo ist die gute alte Zeit hin, in der man, wenn man etwas nicht mehr mochte, es einfach nicht mehr gehört hat? Warum muss zu jeder Veränderung einer Band ein S***storm entstehen? Denkt eigentlich heutzutage keiner mehr darüber nach, wie so ein Album entsteht? Da arbeiten Musiker, wochen-, monate-, teilweise sogar jahrelang an einem Album, geben dort vieles von sich und ihrem Herzblut hinein, nur um dann zu hören: "Ihr seid nicht mehr die Band, die ihr früher mal wart, ich mag euch nicht mehr, ich höre euch nicht mehr, ich beleidige euch lieber." Denkt denn keiner darüber nach, wie verletzend einige solcher Kommentare eigentlich sind? Anscheinend nicht. Der S***storm als neue deutsche Tugend. Herzlichen Dank auch. Geradeaus - einer meiner absoluten Favoriten auf dem Album! Ich hoffe inständig, wenn auch vermutlich vergebens, dass dieses Lied einige Menschen wach rüttelt und zum Umdenken animiert! "Erinnerung" - Ein Lied, das mich zu Tränen gerührt hat. Gerade erst habe ich mich von einem Menschen getrennt, der mir sehr ans Herz gewachsen ist, mit dem ich jedoch, leider, keine gemeinsame Zukunft sehe. Er ist in meinem Herzen und wird es immer sein, doch kann ich nicht zurück zu alten Zeiten. Daher trennen sich unsere Wege, mein Herz bricht entzwei und "ich schwelge in Erinnerung". Mir ist klar, dass die alte Zeit nie zurückkommen wird und dennoch verliere ich mich noch in der Erinnerung und frage mich, was schief gelaufen ist. Ich hoffe, mir wird die schöne Zeit im Herzen bleiben, aber auch die Gründe für den Bruch, denn manchmal gibt es kein Zurück, so weh es auch tut. Das Lieb berührt mich und hilft mir dabei, damit klar zu kommen und es zu verarbeiten. Danke Lasterbalk für diesen wundervollen Text! Mit "Trinklied" geht es zwar fröhlicher, aber nicht weniger nachdenklich weiter. Eine sehr punkige Melodie, die für die Mittelalterrocker sehr ungewöhnlich ist, die aber sehr mitreißend und zum Text passend daher kommt. Ein Sound, der mir richtig gut gefällt! Natürlich kann eine Mittelaltermarktband kein Album herausbringen, ohne dass darauf nicht ein Trinklied enthalten ist. Doch dieses Trinklied ist anders, es ist eher ein Antitrinklied, denn es weißt sehr deutlich darauf hin, dass der Alkohol zwar ein guter Freund ist, jedoch zu einem sehr hohen Preis, dem des eigenen Lebens, wenn man sich dem Alkohol in letzter Konsequenz hingibt. Daher lieber auf die Freundschaft, die Freiheit, das wilde Leben und alles, was man mag trinken, in Maßen, nicht in Maßkrügen und das Leben mit Freunden genießen, anstatt den Alkohol als einzigen Freund zu haben. Ein sehr tolles Lied, das sicherlich auch mir noch so manches Mal zur Mahnung gereichen wird! Eine Warnung spricht auch der "Rattenfänger" aus. Er hat eine lustige, fröhliche Melodie, die einen geradezu gefangen nimmt, genau wie der im Lied besungene Spielmann, der noch eine jede Frau verführt hat. Doch statt Liebe ist aus diesem Werben nur Leid erwachsen, da ein Spielmann leider ohne Treue ist. Daher der Appell zu Anfang des Liedes, ihm zu lauschen, ohne ihn jedoch zu erhören. Ein äußerst wahres Lied, bei dem ich mir sehr gut vorstellen kann, an welchen Spielmann Lasterbalk beim Texten im Speziellen gedacht haben könnte. Mögen sich die gut aussehenden jungen Damen dieses Stück zu Herzen nehmen, wann immer sie von einem Musikanten umworben werden, denn umwerben, das können sie gut, die Musiker. "Todesengel", das folgende Stück, hat mich bis ins Mark berührt. Ich denke, dass ich mir das Buch "Ich habe den Todesengel überlebt: Ein Mengele-Opfer erzählt" von Eva Mozes Kor kaufen und lesen werde, denn das Stück hat einen sehr tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Achot ist übrigens hebräisch und heißt Schwester, danke Google. Das Lied muss man einfach selbst anhören und sich selbst davon ergreifen lassen. Mir fehlen dazu jede weiteren Worte, aber dafür spreche ich dem Stück meine Hochachtung aus und erküre es zu meinem heimlichen Lieblingssong des Albums. Wie vermisst man Glück? Die Frage wird in "Vermessung des Glücks gestellt. Man schiebt das eigene Glück und die Erfüllung der eignen Träume so oft in die Zukunft, bis es keine Zukunft mehr gibt und man nur noch von den Geschichten erzählt, die man nie erlebt hat. Während man sich zu Anfang noch die Frage stellt, wie man Glück vermessen kann, steht man am Ende nur noch da und vermisst traurig das Leben, das man hätte leben können. Ein unglaublich vielschichtiger Song und genial die Zweideutigkeit von "vermessen" und "vermissen". Ein Text genau wie ich ihn liebe. Das Ende des regulären Albums läutet die "Abschiedsmelodie" ein. Ein sehr trauriger, nachdenklicher Song über eine Trennung von einer geliebten Person eines lyrischen Ichs, das sich selbst nicht mag und im Gegenüber vergeblich nach Rettung gesucht hat. Wer kennt diese Situation nicht? Ein gut umgesetzter Song zu einem Thema, das jedem im Leben begegnen dürfte. "Gossenpoet", der erste Bonussong der Deluxeedition schlägt in die gleiche Kerbe wie der "Rattenfänger". Er erzählt von einem Spielmann, der niemals erwachsen geworden ist und sich jeder Versuchung hingibt, der sich von keiner Frau binden lässt und für den alles andere verschwimmt, sobald der Fahrtwind weht. Ein Lied, dass das Spielmannsleben, das einige Musiker leben, sehr gut beschreibt und das einfach zum Tanzen mitreißt. Der vorletzte Song, "Mauern aus Angst", hat mich sehr tief berührt! Wie oft stand ich schon selbst hinter diesen Mauern, erst beschützt von ihnen und später hilflos gefangen. Einsam und doch unfähig mich meinem Gegenüber zu öffnen aus Angst davor, verletzt zu werden und habe dabei das Leben verpasst, bis ich den Mut fand, mich auf Neues einzulassen, mal zum Besseren und mal zum Schlechteren, aber ich habe Erfahrungen gemacht und Erlebnisse gesammelt. Es geht immer weiter im Leben. Ein sehr eindrucksvoller Song. Saltatio Mortis entlassen den Hörer mitten im August mit "Gaudete", einem Weihnachtslied aus ihrem Album. Warum auch nicht? Schließlich ist ja August oder anders gesagt: Willkommen in der Weihnachtszeit! Alles in allem ein exorbitant gutes Album. Unfassbar wie sehr Alea sich stimmlich verbessert hat! Während ich diese Rezension geschrieben habe, ist mir erst bewusst geworden, wie viele Lieblingslieder ich doch darauf habe, wie sehr mich viele Stücke ergriffen und berührt und zum Nachdenken angeregt haben. Ein für Saltatio Mortis ungewöhnlich politisches Album, in dem sie Kritik sehr offen aussprechen ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen oder sie hinter Metaphern zu verbergen. Mir gefällt das sehr gut, denn es passt in unsere Zeit und zu ihrem Zeitgeist, gegen den sich die Mittelalterrocker stellen, indem sie nicht die Augen verschließen, sondern ganz bewusst ihre Finger in die Wunden legen und das auf einer Ebene, die musikalisch wie textlich ihresgleichen sucht. Zu guter Letzt möchte ich noch die Coverversionen loben, die es auf der Deluxe Edition und in der Fanbox gibt, eine besser als die andere. Eine kleine Einzelkritik dazu zum Abschluss: 1. Ix - Subway To Sally: Natürlich musste sich Eric Fish, der sich bereits die Sieben zu Eigen gemacht hat, auch die neun aneignen. Eine Frage der Ehre. Wahnsinn, wie toll Erics einzigartige Stimme sich in dem Lied macht und wie toll das Stück im unverwechselbaren Subway to Sally Sound klingt. Eine ernst zu nehmende Konkurrenz zum Original! Aber dass Subway to Sally und Saltatio Mortis auch gemeinsam sehr gut funktionieren haben sie ja bereits in den 9 gemeinsamen Auftritten auf den Eisheiligen Nächten 2014 bewiesen. 2. Spiel Mit Dem Feuer – Betontod: Sehr rockig, geht ins Ohr, mag ich! 3. Lebensweg – Unheilig: Passt unglaublich gut zu Unheilig vom Text her. Von der Melodie her ist es so sehr dem typischen Unheilig Klang angepasst, dass als Unheilig das Lyricvideo, dass sie dazu gemacht haben, online gestellt haben, einige Leute es für einen Unheiligsong und gar nicht für einen Coversong hielten. Eine richtig tolle Version, ein sehenswertes Video. Alleine für diesen Song würde sich der Kauf von Zirkus Zeitgeist für alle Unheiligfans der alten Zeiten lohnen! Würde Lasterbalk für den Grafen texten, wäre für Unheilig vielleicht alles ganz anders gekommen. Vielleicht wird dieser Song der letzte Unheiligsong alter Zeiten sein. Im Internet wird er gefeiert als ein Song der klingt wie ein verschollener Track des „Puppenspieler“ Albums. 4. Falsche Freunde – Schandmaul: Aus diesem Song haben Schandmaul eine wunderschöne Ballade ganz in der ihnen typischen Art gemacht. 5. Prometheus - Mr. Hurley & Die Pulveraffen: Mal so eine ganz andere, aber wirklich gute Version von Prometheus! Dazu lässt sich nur sagen: „Hast du 'n Philosophen gefrühstückt oder was?!“ 6. Nichts Bleibt Mehr – Doro: Eine sehr berührende Ballade, die Doro Pesch daraus gemacht hat. Ihre einzigartige, gefühlvolle Stimme macht dieses Lied zu etwas ganz Besonderem! 7. My Bonnie Mary - Fiddler's Green: Eine schnelle, tanzbare, sehr gut gewordene Version dieses Stückes! 8. Satans Fall - Lord Of The Lost: Ein Stück das absolut perfekt zu Lord of the Lost passt und von Chris Harms Ausnahmestimme profitiert. Unbedingt anhören! 9. Galgenballade – Feuerschwanz: Geht ins Ohr! Das sagt alles aus. 10. Der Sandmann – Versengold: Sehr schöne Version des Sandmanns, durch Klavier und Geige gewinnt der Song sehr viel, auch die Stimme von Malte Hoyer passt perfekt dazu! Diese Version sollte man unbedingt gehört haben. 11. Uns Gehört Die Welt – Berlinskibeat: Sicher gut gemacht, aber leider nicht die Art von Musik, die mir gefällt. 12. Sündenfall – Unzucht: Ein Song wie für die Unzucht gemacht! Toll umgesetzt, Hammersong. Unbedingter Anspieltipp! Die Stimme von Daniel Schulz ist einfach einmalig. 13. Krieg Kennt Keine Sieger - Vanden Plas: Sehr tolle englischsprachige Version von Krieg kennt keine Sieger, sehr hörenswert! 14. Habgier Und Tod - Ost+Front: Macht Spaß beim Hören. 15. Manus Manum Lavat – Faey: Meine absolute Lieblingscoverversion des Albums! Sandra Elfleins zauberhafte Stimme und dieses wundervolle Instrumentarium machen diesen Song zu etwas ganz Besonderem! Diese Version gefällt mir sogar noch besser als das Original!
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